Kwiggle-Bike

Kwiggle extrem: 300 km

Ein bisschen wie ein neues Leben

300 km an einem Tag: Kaum zu glauben – aber wahr!

Er hätte es bis vor kurzem nie gedacht, einmal an einem einzigen Tag mit einem Fahrrad so weit fahren zu können. Doch dann fuhr Karsten Bettin, Erfinder des Kwiggle, um das niederländische Ijsselmeer – 300 Kilometer in rund 16 Stunden. Wie es dazu kam, lesen Sie in seinem Erfahrungsbericht.


 

Ich bin nur durchschnittlich trainiert: zweimal 5 km Joggen in der Woche und einmal 50 km Rennrad fahren im Monat. Hinzu kommen die täglichen Wege mit dem Kwiggle, zwischen 5 und 15 km – mehr oder weniger regelmäßig. Das war´s. Meine längste Tagestour bisher: 150 km mit dem Rennrad, aber nur einmal. Das war für meine Verhältnisse schon richtig viel. Und dann fahre ich mal eben 300 km an einem Tag mit dem Kwiggle. Und zwar ohne vorheriges Training, ohne Schmerzen und ohne zu ermüden. Das ist absolut umwerfend.

 

Erste Fahrtests zeigten die Langstreckentauglichkeit

Wie es dazu kam? Als das Kwiggle technisch ausgereift war, wollten wir den beweglichen Sattel und das damit verbundene Fahrverhalten über einige Monate hinweg ausgiebig testen, um eventuelle Schwachpunkte zu erkennen und beseitigen zu können: Also Stabilitäts- und Fahrsicherheitstests – und fahren, fahren, fahren in vielen unterschiedlichen urbanen Alltagssituationen. Schließlich wollen wir unseren Kunden ein rundum perfektes Produkt anbieten.

Wir legten dabei auch mal längere Strecken am Stück zurück. Schon nach den ersten Testfahrten fielen uns zwei Dinge auf: Das aufrechte Fahren macht enorm viel Spaß und selbst nach längeren Fahrten waren wir überhaupt nicht müde. Ein befreundeter Arzt hatte vor Jahren schon prognostiziert, dass man mit dem Kwiggle aufgrund des beweglichen Sattels lange Strecken ohne Ermüdung fahren kann. Die eigene Erfahrung machte mich nun neugierig und ich wollte wissen, wie lange ich mit einem Kwiggle tatsächlich am Stück fahren kann.

 

Die erste lange Tour – Kohlenhydrate fehlten

Ich fuhr dann – immer wenn es meine Zeit erlaubte – mal 30, mal 40 Kilometer. Je länger je lieber. Dann machten wir spontan eine erste längere Tour, von Göttingen nach Hannover, immer an der Leine entlang – etwa 120 km! Ich mit dem Kwiggle und Till – mein Sohn – mit einem bekannten Faltrad. Einmal tauschten wir und hatten beide den gleichen Eindruck: 120 km mit einem anderen Faltrad ist viel anstrengender. In Hannover angekommen, war ich allerdings etwas schlapp und dachte, ja ok, 120 km ist ja auch kein Pappenstiel.

Als ich tags darauf einem Freund, der sehr viel Erfahrung mit Langstrecken-Touren hat, davon erzählte, riet er mir, viel zu essen. Vielleicht lag das Schlappsein auch an fehlenden Kohlehydraten. Ich wiege 65 kg bei 1,78 Körpergröße, und habe daher keine Fettreserven als Energiespeicher.

Die nächste Tour waren dann 200 km, begleitet von drei durchtrainierten sportlichen Jungs auf Tourenrädern, 16, 17 und 18 alt. Wir hatten jeweils ca. 6 kg Gepäck dabei. Und wir futterten ordentlich Kohlehydrate. Die Jungs waren, im Gegensatz zu mir, nach den 200 km ganz schön fertig. Ich konnte bei km 190 immer noch locker 25 km/h fahren. Das war wirklich erstaunlich.

 

300 km Ijsselmeer – und Millionen von Fliegen

Himmelfahrt 2018 waren wir dann am Ijsselmeer in den Niederlanden. Und ich dachte, es wäre ja mal interessant, ob ich da an einem Tag rumkomme. Das wären dann ca. 300 km. Um 5 Uhr ging es mit dem Single-Speed-Kwiggle los. Leider war es richtig kalt, 2 Stunden lang 7° Celsius, da habe ich ganz schön gefroren.

Ich hatte ordentlich Gepäck dabei: 2 kg Nudeln, 1 kg Brot, 2 Liter Wasser, und noch ein paar Kleinigkeiten, insgesamt etwa 7 kg. Nach zwei Stunden dachte ich, das wird wohl nichts werden heute. Dann kamen auch noch Streckenabschnitte mit Tausenden von Fliegen, die mir dauernd ins Gesicht flogen. Die Brille hatte ich vergessen. Deshalb musste ich einige Zeit etwas langsamer fahren.

Als dann die Sonne rauskam, wurde es zum Glück deutlich besser. Nach 125 km erreichte ich um 11 Uhr Amsterdam. Dort machte ich eine Pause, kaufte Nudelsoße, Gurke und Tomaten und füllte Wasser auf. Gegessen wurde auf dem Rad, mit einem Löffel aus dem Nudelpott heraus.

Weiter ging es nach Norden. Auf den Deichwegen flogen nun Millionen von Fliegen! Sowas habe ich noch nie erlebt. Wo es ging, bin ich daher runter vom Deich. Ein weiterer Tempokiller waren die Durchfahrten durch die schönen klinkergepflasterten Touristen-Städtchen. Enkhuizen habe ich daher später rechts liegen gelassen.

 

Dann kam der Gegenwind

Ich wusste, dass gegen Abend der Wind auffrischen sollte, leider in die falsche Richtung. Ab Hoorn, bei km 175, wurde das dann auch Wirklichkeit. Nach einer Essenspause waren die Energievorräte wieder aufgefüllt und ich stellte mich dem Wind. 50 km Wind schräg vorn. Statt 25 km/h nur noch 22 km/h. Den Oever, bei km 225, erreichte ich um 17.30 Uhr. Nach einer weiteren Pause kam der schwerste Abschnitt: Über den Abschlussdeich. Der Wind frischte weiter auf - 35 km direkt von vorne mit durchschnittlich noch 18 km/h.

Ich dachte nach dem Deich kommt Rückenwind. Aber Pustekuchen. Von der Landseite kam der Wind weiter von seitlich vorn. Erst um 21 Uhr wurde es windstill und ich konnte endlich wieder meine 25 km/h fahren. Am Ziel angekommen, wollte ich unbedingt wissen, wie groß der Einfluss des Gepäcks auf die Geschwindigkeit war. Ich bin dann noch einige Kilometer ohne die 7 Kilogramm gefahren. Der Unterschied betrug beachtliche 3 bis 4 km/h.

 

Kwiggle verändert mein Leben

Ohne die geschilderten Einflussfaktoren, also Zusatzgewicht, Fliegen, volle Städtchen und ordentlich Gegenwind, müssten eigentlich auch 400 km am Stück drin sein. Ich bin schon dabei eine entsprechende Tour zu organisieren. Dann aber nicht mehr mit der Single-Speed-Version, sondern mit der 3-Gang-Schaltung. Besonders bei den Fahrten gegen den Wind wäre das hilfreich gewesen.

Ich bin jetzt 53 Jahre alt und entdecke – dank des Kwiggle – nochmal ungeahnte Horizonte. Ich plane Abenteuer, die ich mit einem anderen Rad nie hätte machen können. Obwohl ich das Kwiggle ja erfunden und über so viele Jahre entwickelt habe, bin ich von diesen Kwiggle-Erfahrungen total geflasht. Ein bisschen wie ein neues Leben.

 

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